das Steinbildwerk

– Das Steinbildwerk –

aus: „Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunst-denkmäler der Provinz Sachsen 1895“

 

SteinbildwerkVon unbekanntem Ursprunge ist ein Steinbildwerk, welches beim Abbruch eines alten Wohnhauses oder einer Scheune auf dem jetzt Roloffschen Rittergute [heutige Grundschule] unter den Werkstücken gefunden wurde, also schon beim Aufbau dieses nunmehr abgerissenen Gebäudes aus einem früher abgerissenen Gebäude entnommen gewesen sein muss, was an sich schon ein hohes Alter des Bildwerks wahrscheinlich macht.

Da es anscheinend einen Abt mit Abtsmütze und Krummstab darstellt, welcher eine durch einen breiten Gürtel mit Schnalle zusammengehaltene Kutte trägt, so fragt es sich, welchem Kloster dieser Abt angehört haben mag. Ein Kloster bestand in Erdeborn selbst nicht, vielleicht aber ein klösterlicher Wirtschaftshof, obwohl auch über einen solchen nichts bekannt geworden ist. Nur das steht fest, dass bereits im Jahre 1121 das Kloster Wimmelburg 11 Hufen und zwei Hölzer in der Flur Erdeborn besass. (Mansfelder Urkundenbuch S. 612) und das im Jahre 1195 der Abt Hermann von Wimmelburg den Kapellan des Grafen Ulrich von Wettin namens Volkwin mit drei Hufen zu Erdeborn auf Lebenszeit belehnt hat.

Hieraus ergibt sich, dass das Kloster Wimmelburg mindestens das ganze zwölfte Jahrhundert hindurch beträchtlichen Grundbesitz in Erdeborn gehabt hat und darum ist es wahrscheinlich, das sich der Bildstein auf einen Abt von Wimmelburg bezieht.

Welchen Zweck das Bildwerk hatte, ist schwer zu sagen. Für einen Grabstein ist der Stein, der nur etwa 2´ in der Höhe, 1´ in der Breite misst, zu klein. Ich möchte vermuten, das der Stein irgendwie einem dem Kloster Wimmelburg gehörigen Wirtschaftshof als unter des Abtes Schutze stehend kennzeichnen sollte, das eine auf denselben von dem Abte gesetzte Ministerialfamilie sich wegen ihres Wohnsitzes „von Erdeborn“ nannte, und das die Auffindung dieses Steines auf dem Roloffschen Rittergut es wahrscheinlich macht, das dieses ursprünglich ein Wimmelburgischer Klosterhof gewesen ist.

Allerdings ist zu beachten, das etwa um das Jahr 1210 der Priester Konrad zu Erdeborn dem Kloster Sittichenbach eine Hufe auf seinen Todesfall geschenkt hat, wofür er in die Bruderschaft des Klosters aufgenommen wurde (Mansfelder Urkundenb. S. 680), aber da diese Hufe in einem nur mit dem Anfangsbuchstaben B. bezeichneten Dorfe lag, so kann der Abt von Sittichenbach in dem vorliegenden Falle nicht in Betracht kommen. Endlich ist auch sicher, dass das Kloster Helfta um 1521 5 1/2 Hufe, eine Wiese und ein Wohnhaus in Erdeborn besass (Mansf. Urkundenb. S. 289), aber da Helfta ein Nonnenkloster war und nur einen Propst hatte, so kann auch das Kloster Helfta, ganz abgesehen von der um Jahrhunderte von dem Bildwerke entfernten Besitzzeit, zu dem Bildwerke keine Beziehung haben, dessen Darstellungsweise für ein sehr hohes Alter desselben spricht. Denn der abgebildete Abt im Verhältnis zu dem auffallend kleinen Körper einen übermäßig großen Kopf; auch hat sowohl seine Mütze, wie sein Krummstab eine sehr einfache Form.  [Gegenwärtig befindet sich der Stein im Geburtsmuseum Martin Luthers in Eisleben und kann dort besichtigt werden.]

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