Esche Steinberg

– Die Esche auf dem Steinberg bei Erdeborn –

von Georg Kutzke, Eisleben

Esche auf dem Steinberg

Esche am Steinberg

Jedermann schaut mit erhöhter Aufmerksamkeit aus dem Fenster, wenn er mit der Halle-Sangerhäuser Bahn an Erdeborn vorbeifährt. Einmal reizt der Betrieb der Zuckerfabrik gleich am Bahnhof, dann aber das behagliche Bild des in die Bergwand eingeschmiegten Dorfes und nicht zuletzt der Bergrücken dahinter, der nach links den durch seine Farbe rasch erkennbaren Rotenberg herausstellt und nach rechts den Steinberg. Dieser war früher durch die hohe Esche gekennzeichnet, die einsam auf seiner flachen Kuppe wuchs. Jahrzehntelang hat sie die Bewunderung der Reisenden und Wanderer erregt. Sie hat sich noch, von Wansleben her gesehen, im ehemaligen Salzigen See gespiegelt, sie war Richtmarke nach allen freien Punkten des Hornburger Sattels hin und selbst vom Hutberge oberhalb Eislebens gut zu erkennen. Die Federzeichnung stammt aus 1945. Damals stand neben der Esche ein Nussbäumchen, das in der Zeichnung rechts der Esche angedeutet ist, während weiterhin eine bescheidene Obstplantage das Bild beschließt. Obwohl ein Kernstück des Naturschutzes in unserer so bauarmen Landschaft, fiel die Esche im letzten Frühjahr einer Unachtsamkeit, wie das hier benannt sei, zum Opfer. Mit umso stärkerer Teilnahme wollen wir uns nicht nur des Baumes erinnern, sondern auch der aus unbestimmbarer Frühzeit stammenden Vorgängerin, der vor hundert Jahren infolge der Separation zerstörten „versteinerten Schafherde“. Hier waren nach der Erinnerung ältester Ortseinwohner ehemals über hundert Steinblöcke, vermutlich Keßlinge und erratische Blöcke versammelt. In diesen wurden die Schafe und Hunde mitsamt dem Schäfer gesehen, der einer Frau auf deren Bitte etwas von seinem Brot verweigert und den die Hungernde deshalb ob seiner Hartherzigkeit verwünscht haben sollte.

Man geht vielleicht nicht fehl in der Annahme, dass die Sage sich erst gebildet hat, als der ursprüngliche Sinn der Steinsammlung verloren gegangen war. Sicher haben die Steine nicht regellos herum gelegen. Sie haben doch wohl eine Art Jahreszeitenuhr dargestellt, wie sie in der sogenannten Trojaburg, dem Labyrinth von Steigra bei Querfurt erhalten ist und wie man sie im ganzen nordgermanischen Bereich und im slawischen Osten mehrfach gefunden hat.

So bleibt uns trotz des Verlustes der Esche und der Steine doch die Stätte der Sage, zu deren Ehre der Baum einmal gepflanzt worden war. Darüber aber schwebt weiterhin die unsichtbare Krone der Heimatromantik, die für den Heimatfreund immer wieder sichtbar bleibt.

Kommentare sind geschlossen.