Zuckerfabrik 2

Feierlich wurde am 29. April 1865, nachmittags 3 Uhr, die Grundsteinlegung vollzogen. Die baulichen Anlagen unterstanden der Aufsicht des Baumeister Tüvern, Halle, die maschinellen Anlagen der des Bauinspektors Richards, Eisleben. Die Bauausführung hatte Herr Fricke, Eisleben, die Maschinenlieferung Herr Klusemann, Magdeburg, übernommen.

Am 1. Juli 1866 übernahm Herr Faktor Harder die Leitung. An dessen Stelle trat am 15. Juni 1870 Herr Faktor Krüger. Im gleichen Jahr übernahm Herr Inspektor Bindewald – Bevollmächtigter des Herrn Grafen von Schwerin – den Vorsitz im Vorstand bis zum Jahr 1872.

Nach der Grundsteinlegung ging es unermüdlich an das Werk. Die auf 754 Morgen angebauten Zuckerrüben der Gesellschafter sollten im Herbst bereits in der Fabrik auf Zucker verarbeitet werden. Der Bau verzögerte sich jedoch. Erst Mitte Januar 1866 begann die erste Kampagne. Verarbeitet wurden 52 980 Ztr. Rüben, welche nicht schon auf dem Grundstück der Fabrik eingemietet waren, wurden mit den Fuhrwerken herangeschafft, gewogen, prozentiert und in das Rübenhaus unter den Beamtenwohnungen abgeladen.

Von Frauen wurden die Rüben mit den Händen gesäubert und geköpft. Es wurde sehr darauf geachtet, daß die Rüben unbeschädigt blieben. Nachher wurden sie über die Steuerwaage gefahren um dann geschnitzelt und ausgelaugt zu werden. Meistbietend sind wöchentlich die anfallenden Köpfe verkauft und die Schnitzel den Rübenlieferanten gratis zurückgegeben.

Nach der Auslaugung (Diffusion) mit Kalk und Säure wurden die über Knochenkohle gereinigten Säfte im blankgeputzten, kupfernen Vakuumapparat verkocht und zähflüssig zum Auskristallisieren abgelassen. Die kristallisierte Füllmasse wurde über ein Brechwerk zerkleinert und alsdann geschleudert.

Der so gewonnene Zucker, in Fässer verpackt, die der Böttcher Hähnge, Erdeborn, anfertigte, wurde an die Raffinerie verladen, die den Zucker nach Muster gekauft hatte.

Nach dieser ersten, recht spät begonnenen und daher nicht günstigen Kampagne gab es unter den Teilhabern einige recht Unzufriedene, die den Spruch prägten, der heute noch überall in der Erinnerung ist:

„Die Zuckerfabrik zu Erdeborn
schuf Gott der Herr in seinem Zorn!“

Trotz allem wurde unbeirrt weitergearbeitet, und es folgte eine langsame, aber stetige Aufwärtsbewegung.

Herr Markwald übernahm den Besitz des Grafen von Schwerin in Erdeborn und damit auch die dem Grafen gehörigen Anteile sowie das der Fabrik im Jahre 1869 gegebene Darlehen von 100 000 Talern zu 5%. Zugleich übertrug man Herrn Markwald den Vorsitz.

Im Jahre 1874 schied Herr Faktor Krüger aus und der Vorstand setzte Herrn Faktor Schmidt als Fabrikleiter ein. Zielbewußt weiterschaffend, blieb ein weiterer Aufstieg nicht aus.

1881 wurde von der Fabrik die Alberstedter Straße abgetragen und gepflastert, damit die Rüben von Alberstedt und den weiterliegenden Dörfern besser herangeschafft werden konnten.

1882/83 erstand das Eisenbahn- Anschlußgleis zum Bahnhof Oberröblingen am See. Durch die Erhöhung der Produktion war damit der Transport des Zuckers und der Kohle hinreichend gewährleistet.

1886 wurde die Straße nach Hornburg gebaut. Das Rüben-Einzugsgebiet über Hornburg hinaus war damit erschlossen.

1887 am 1. Juli schlossen die Gesellschafter einstimmig einen neuen Vertrag, in dem es im §28 hieß:

„Der Vertrag wird auf ewige Dauer abgeschlossen, und soll eine Auflösung während dieser Zeit nur erfolgen:
a) durch Eröffnung des Konkurses über das Vermögen der Gesellschaft und
b) durch vorschriftsmäßigen Beschluß der Generalversammlung“ (§22).

Mit dem Ausdruck „ewige Dauer“ erkannte man die Zufriedenheit der Teilhaber an dem Unternehmen.

1888 trat an die Stelle des ausgeschiedenen Faktors Schmidt Herr Schulze, der bei Beginn der Kampagne tödlich im Kesselhaus verunglückte. Für ihn übernahm Herr Direktor G.A. Koelle die Leitung der Fabrik.

1893 legte die Mansfeld A.G. den „Salzigen See“ trocken. Darauf wurde das zur Fabrikation benötigte Wasser von der Wasserstation Stedten geliefert. Nur dadurch konnte die Zuckerfabrikation weiter aufrecht erhalten werden.

1901 stellte die Hallesche Maschinenfabrik eine neue Verdampfstation auf.

Für Herrn W. Markwald übernahm den Vorsitz Herr J. Hagenguth, Rothenschirmbach.

Zum erstenmal wurde von der Fabrik Zuckerrübensaft hergestellt.

1905 wurden die Dampfkessel und das Kesselhaus erneuert.

In diesem Jahr feierte die Fabrik ihr 40 jähriges Bestehen in würdiger Form.

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