Salzquellen II

– alte Salzquellen bei Erdeborn –

– aus der Acta Salzamtssachen S. XCIII. 102. Nr. 23. 1802 / 1803 –

– bei dem Kgl. Oberbergamte zu Halle a. S. –

von H. Cramer, geheimer Bergrath a. D. in Halle a. S.

Am 7. Juni 1802 zeigte der Gerichtsschulze Johann Christoph Böbert zu Erdeborn dem „Landrath der Grafschaft Mansfeld“ v. Wedell an, dass südlich vom salzigen See in der Feldflur Erdeborn auf den „acht Ackerstücken“ der Frau Direktor v. d. Schulenburg sich ein Salzbrunnen befände der mit Bohlen zugelegt gewesen, jetzt aber, da die Bohlen vermodert und die darauf gelagert gewesene Erdschicht hineingestürzt sei, offen stehe. Weiter enthält die Anzeige die Angabe, dass vor mehr als 50 Jahren ein „Kriegs- und Etatsminsiter“ aus Berlin in Erdeborn angekommen sei und den Vater des J. C. Böbert, welcher ebenfalls Gerichtschulze gewesen, an den Salzbrunnen geführt und angewiesen habe, auf denselben zu achten, damit ihm kein Schade zugefügt würde, da von ihm die Sohle nach Halle gehe, wo Salz aus derselben gesotten würde. Der in hohem Alter stehende Vater habe später ihn, den 17 Jahre alten Sohn hiervon in Kenntnis gesetzt, ihm auch den Brunnen gezeigt und seiner Fürsorge für spätere Zeit empfohlen.
In dem Berichte vom 11. Juni 1802 aus Piesdorf, mit welchem der Landrath v. Wedell die Anzeige des Schulzen höhern Orts einreicht, bezweifelt er zunächst die Richtigkeit der Angabe, dass aus dem Brunnen die Sohle nach Halle gehe und dort zu Salz versotten würde und fährt dann wörtlich fort: „Übrigens bin ich schon vor 30 Jahren von dem verstorbenen Herrn v. d. Schulenburg in Erdeborn bei erwähntem Brunnen, welcher damals zugelegt war, und es auch bisher gewesen, geführt worden und ist mir davon Folgendes bekannt:
Vor dem 30jährigen Kriege haben sich in Erdeborn Salzkothen, dem Grafen von Mansfeld gehörig, befunden welche aber im sothanen Kriege völlig ruinirt und nachher nicht wieder in Stand gesetzt worden sind, und diese haben, wie mir der Herr v. d. Schulenburg versicherte, ihre Wasser zum Salzkochen aus gedachtem Brunnen gezogen.
Damit sowohl jetzt, als in der Zukunft weder Menschen noch Vieh in dem Brunnen verunglücken können, so muss er nach meinem unvorgreiflichen Dafürhalten entweder mit einer tüchtigen Barriere versehen oder zugemacht werden und frage ich nur noch an, ob eines von beyden, und was, geschehen soll.“
Auf den Bericht der Magdeburgischen Krieges- und Domänenkammer vom 23. Juni 1802 erhielt das damalige königl. Salzamt zu Halle von der Generaladministration zu Berlin am 9. Juli 1802 den Auftrag, den Brunnen durch den Assessor Joyard an Ort und Stelle untersuchen zu lassen und über den Befund zu berichten.
Dieser Bericht des Salzamts vom 9. August 1802 lautet nun wie nachstehet wörtlich: „In Gemäßheit der von der Kgl. hochlöbl. General-Salz-Administration unterm 9. v. M. an uns erlassenen Verordnung habe ich, der Assessor Joyard, am 22. desselb. den alten Salzbrunnen in der Erdebornischen Feldfluhr besichtiget und gefunden, dass dieser Brunnen nicht zusammen gestürzet, sondern dass bloß ein Theil der Bohlen, womit er zugeleget gewesen, verfaulet ist und die Erde und Steine, welche auf den Bohlen 4 Fuß hoch gelegen, nachgefallen sind, solche sich aber mit dem faulen Holze so zusammen gestemmet haben, dass dadurch nur ein 4-5 Fuß tiefes Loch, dessen Öffnung ungefähr 11 Quadratfuß beträget, entstanden ist.
Mit einer eisernen Stange konnte ich daneben unter dem Erdreich auch Holz spüren und daher schließen, dass die Weite des Brunnens größer sein müsste, als sie es bei der ersten Ansicht zu sein schien.
Um fernere Beobachtungen anstellen zu können, musste daher der Brunnen aufgedecket werden und um die anzustellenden Arbeiter vor Unglück zu sichern, war eine leichte Zurüstung nöthig.
Ich ließ zwar gleich nach meiner Zurückkunft das dazu erforderliche Holz und Bohlen herbeischaffen, allein wegen anhaltenden Regenwetters hat diese Arbeit erst den 5ten d. vorgenommen werden können.
Die Oeffnung des Brunnens oben im Lichten ist 3 Fuß breit, 7 Fuß lang, 40 Fuß tief und bis am Tage voll einer sehr schwachen Soole, so etwa im Kubikfuß 1 Pfd. Salz enthalten mag. Er ist übrigens bloß mit doppelten Bohlen eingefasst, wo zwischen eine 5zöllig starke Thonwand lieget.
So weit man mit einer langen Stange kommen konnte, scheinet der Brunnen nach unten sich zu verengen und daher eine abgestumpfte Pyramide zu bilden. Ist dieses richtig, so mag solches wahrscheinlich daher entstanden seyn, dass die leichte Verzimmerung dem Seitendruck nicht hat wiederstehen können und sie in der Mitte nachgegeben hat.
Um den Gehalt und die Stärke der Quelle schätzen zu können, muss nun der Brunnen ausgeräumet werden, allein da auf dem Acker, wo er sich befindet, Weizen stehet und die Ernte so nahe ist, so halten wir unmaßgeblich dafür, dass wir bis dahin warten, damit dem Eigenthümer, der Frau Direktorin von der Schulenburg, kein Schaden zugefüget wird.
Aus diesem Brunnen, der so klein angeleget, so leicht verzimmert ist und ganz schwachlöthige Soole enthält, lässet sich gerade nicht viel erwarten, aber desto mehr aus seiner Lage. Er befindet sich in einem weiten Thal auf dem Abhange einer Anhöhe südlich nur 200 Schritt weit von dem salzigen See an dessen oberstem Ende.
Dass ehemals dieser Brunnen benutzt worden ist, scheinet auch dadurch bestätiget zu werden, dass unweit desselben ein Stück Acker noch bis jetzt die Salzkothe genannt wird.
Vor der Hand ist der Brunnen wieder zugeleget, dass niemand dabei Schaden nehmen kann und niemand hat in dieser Gegend etwas zu thun, weil der Brunnen ganz isolieret liegt.

Hallisches Salzamt.
Leyser.   Rüdiger.   Joyard.“

Auf höhere Ermächtigung wurde dann der Brunnen im nächsten Jahre 1803 geräumt, worüber sich der Bericht des Salzamtes an die General-Salz-Administration in Berlin am 4. August 1803 wie folgt auslässt: „Zufolge der unterm 14. Aug. v. J. an uns erlassenen Verordnung haben wir die Räumung des Salzbrunnens zu Erdeborn vornehmen lassen und nachdem das Wasser, welches 35 Fuß hoch gestanden, gefördert worden, ist man auf Schlamm gekommen und hat solchen bis auf 28 Fuß ausgebracht. Hiermit hat aber die Arbeit eingestellet werden müssen, weil es sich dabei ergeben, dass die Verzimmerung größtentheils verfaulet war und sich unten bereits so zusammen-gedrücket hatte, dass, wenn man hätte tiefer gehen wollen, der Brunnen höchst wahrscheinlich zusammengestürzet wäre. Da es also ohne Lebensgefahr für die Arbeiter nicht möglich war weiter zu kommen, so wurde das Wettinische Bergamt um das erforderliche Bohrzeug ersuchet und sofort zu bohren angefangen. Nachdem man nun durch eine 12 Fuß mächtige Lage von festem Schlamm gebohret hatte, gerieth der Bohrer auf eine 6 bis 8 Zoll starke Bühne und erreichte 28 Fuß tiefer ein festes Gestein und den Boden des Brunnens, hiernach ist der Brunnen von der obersten Bühne an gerechnet 103 und vom Tage aus 108 Fuß tief.
Die unter der letzten Bühne befindliche Sohle war zwar sehr schwach, allein da der Brunnen in seinem jetzigen Zustande seit so vielen Jahren den Zuflüssen der Tage- und der wilden Wasser ganz offen gestanden, so kann die Sohle, wenn sie auch ursprünglich sehr gut ist, jetzt nur äußerst geringlöthig seyn. Es bleibt daher immer noch rathsam, den Zweck zu verfolgen, den Brunnen ganz zu räumen und ihn alsdann eine Zeitlang betreiben zu lassen, um die wahre Beschaffenheit der Soole zu erforschen zu können. Da aber wegen der ganz desolaten Verzimmerung des Brunnens jetzt nichts weiter vorgenommen werden kann, so muss nothwendig ein leichter Schacht abgeteuft werden, welcher nach dem hier beigehenden Anschlage des Obersteiger Thomas zu Langenbogen 384 Rthlr. 16 Gr. kosten wird. Jedoch wird hierbei vorrausgesetzet, dass das Gebürge im Brunnen vom Tage weg, bis so weit derselbe ausgezimmert werden soll, aus Thon oder anderem festen Gebürge bestehet und dass die Wasserzugänge nicht außerordentlich stark sind. Sollte der Thon oft mit Trieb- oder Laufsandlagern abwechseln, wie in der dortigen Gegend nicht selten der Fall ist, so dass man genöthiget würde, den Brunnen abzutreiben, so würde man anstatt der 2 Schock 42 Stück Bretter, die im Anschlag zum Verpfählen angesetzet sind, Bohlen nehmen müssen und wenn die Wasserzugänge sehr stark sein sollten, so würden auch die zu Niederhalten der Wasser angesetzten 30 Rthlr. nicht zureichend sein. Diese Arbeit kann übrigens binnen 3 Wochen gleich nach der Ernte angefangen werden, und wir fragen daher unterthänig gehorsamst an, ob die dazu veranschlagten Kosten von 384 Rthlr. 16 Gr. verwendet werden sollen und bitten solches zu genehmigen: so wie wir ebenfalls bitten müssen, die auf die bisherigen Versuche nach beygehender Rechnung verwendeten 172 Rthlr. 15 Gr. gnädig und hochgeneigt zu bewilligen.
Die Kgl. Generalsalzadministration lehnte jedoch die Fortsetzung der Arbeiten ab und ertheilte dem Salzamte am 18. August 1803 folgende Anweisung: „Nach den in dem Bericht des Salzamts vom 4. d. Mts. angeführten Umständen halten wir es nicht für rathsam, an die fernere Räumung und Instandsetzung des alten Salzbrunnens zu Erdeborn die noch erforderlichen Kosten zu wenden, weil der Gehalt der Soole für die Folge den Nutzen nicht zu versprechen scheint, den man davon erwartet hat.
Das Salzamt hat daher den Brunnen so zulegen zu lassen, dass er weder Menschen noch Vieh schädlich werden kann, übrigens aber Memoriae causa Acta gehörig und genau asserviren zu lassen etc.
Es wäre wohl zweckmäßig gewesen, wenn man damals dem Ursprung der Soole weiter nachgegangen wäre, indem man eine tiefere Bohrung im Brunnen ausführte. Aufforderung dazu war genugsam vorhanden schon durch den Salzgehalt des Sees und einiger Brunnenwasser in Erdeborn, die deshalb für Wirthschaftszwecke unbrauchbar waren, durch die Salzpflanzen in der Umgebung des Sees, ferner durch die starke Soolquelle auf der nicht weit entfernten „Bärlochsohle“ (Vergl. Freiesleben geogn. Arbeiten, Th. 2, S. 216.) an dem Hornburger Flötzzuge des Kupferschiefers, die mit dem i. J. 1698 bei Lüttgendorf angesetzten Froschmühlenstollen schon i.J. 1717 bei etwa 250 Lachter südöstlicher Entfernung vom 37. Stollnlichtloche aufgeschlossen war und mit dem unweit des salzigen Sees i. J. 1756 angesetzten Erdeborner Stolln i. J. 1800 in etwas tieferer Sohle ebenfalls erreicht wurde, ferner durch eine ebenfalls ziemlich starke Soolquelle 20 Lachter oberhalb des obigen Lichtloches, endlich durch die Soolquellen der Saline zu Halle. Außerdem war in Preußischen Regierungskreisen seit dem Jahre 1734 bekannt, dass in dem benachbarten Sachsen-Merseburgischen Gebiete an der Grenze bei Beuchlitz und Holleben sich Soolquellen an der Oberfläche gezeigt hatten.
Es konnte ja nicht zweifelhaft sein, dass irgend ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Salzsee und der Brunnensoole stattfinde; nur musste bei der höheren Lage des Brunnens der Fall ausgeschlossen bleiben, dass die Quelle im Brunnen unmittelbar dem Zufluss aus dem See ihre Entstehung verdankte. Vielmehr war anzunehmen, dass noch andere in der Nähe des Sees und in demselben entspringende Soolquellen den See speisten und das diese Quellen ihren gemeinsamen Ursprung in tiefer anstehenden Steinsalzlagerstätten hätten deren Aufschluss ja damals von besonderen Wert sein musste. Dazu kam, dass seit dem Jahre 1789 das Kgl. Braunkohlenwerk zu Langenbogen auf einer mächtigen Lagerstätte aufgenommen und man seit dem Jahre 1799 mit dem Plane umging, den Ausfluss der beiden Mansfelder Seen, die Salzke, von jener Grube bis nach Salzmünde an der Saale schiffbar zu machen, um vorzugsweise die Kgl. Salinen zu Halle und Staßfurt und die Stadt Halle mit Kohlen zu versorgen.
Dass das Steinsalz, wie an so vielen anderen Orten so auch hier in der Triasformation und an der Grenze mit dem Zechstein des Kupferschiefers vorkommt, ist in der neueren Zeit tatsächlich festgestellt durch die Tiefbohrung der Hallischen Pfännerschaft bei Zscherben, durch den Aufschluss am Zimmermannschachte auf den untern Kupferschieferrevieren in der Flur Burg-Oerner und auf dem Ottoschachte auf den oberen Revieren bei Wimmelburg in der Flur Eisleben, auf welche Punkte überall Mutungen eingelegt und bergrechtliche Verleihungen in den Jahren 1872 bis 1874 bei Burg-Oerner und bei Eisleben in den Jahren 1878 und 1880 bei Zscherben erteilt worden sind. Außerdem haben sich weitere Hinweise darauf ergeben bei Tieferlegung eines Wirtschaftsbrunnens in Wansleben am See, als man die in dem bunten Sandstein lagernden undurchlässigen Letten durchteuft hatte, wo dann eine starke Soolquelle erschlossen wurde und durch das Wiederauffinden eines zweiten alten Salzbrunnens in der Nähe des oben zuerst genannten i. J. 1878 in der Erdeborner Flur am Seeplatze auf dem sogenannten „Sülzenberge“ der ebenfalls noch ausgezimmert war und eine Soolquelle zeigte von 1,5 bis 1,8 % Salzgehalt. Der Brunnen liegt in der Nähe des Durchschnittspunktes des Fußweges von Oberröblingen nach Erdeborn und des Grenzgrabens der beiden Fluren. Der Besitzer des Grundstückes C. F. Ehrengott Hochheim in Erdeborn legte auf den Fund Mutung ein unter dem Namen Elsbethhall. Bei der Fundesbesichtigung wurde die ganze tiefe des Brunnens vom Rasen an auf 16 m festgestellt, von 11 m mit Soole ausgefüllt waren. Das in die beiden Fluren Erdeborn und Oberröblingen gestreckte Feld wurde unter dem 12. Juli 1878 vom Kgl. Oberbergamte zu Halle bergrechtlich verliehen. Die Bezeichnung der Grundstücke bei den beiden alten Brunnen mit „Salzkothe“ und „Sülzenberg“ machen die mündlichen Überlieferungen, dass in alter Zeit vor dem 30jährigem Krieg dort ein Salzwerk betrieben wurde, fast zur Gewissheit.
Ob die vorstehend genannten alten Salzbrunnen dieselben sind, von denen Freiesleben mitteilt, dass der eine, schon lange verfallen, im Jahre 1674 aufs neue aufgemacht und von dem damaligen Bergvoigt Senf zu Eisleben aus der geschöpften Soole „eine Probe sehr gut Salz gesotten“ worden, sowie dass der andere, zwischen jenem Brunnen und dem Dorfe Erdeborn auf dem dortigen Pfarracker liegend, eine ziemlich „starke und scharfe Salzquelle beim Pflügen zeigte“, das lässt sich nicht sicher ermitteln, ist aber nach der gegebenen Beschreibung der Örtlichkeit nicht wahrscheinlich.
Wenn auch beim „süßen“ See über Tage Salzquellen nicht bekannt geworden sind, so muss deren Vorhandensein auch dort angenommen werden, da der See, auch abgesehen von den gegenwärtigen Zuflüssen von salzigen Grubenwassern, keineswegs ohne Salzgehalt ist und Salzpflanzen in seiner Umgebung wachsen.
Wissenschaftlich hat man in älterer Zeit dem Salzgehalt der beiden Seen nicht die nötige gründliche Aufmerksamkeit geschenkt. Mündliche Überlieferungen der Anwohner sprechen von häufigen Veränderungen des Gehalts, was ja auch bei den wechselnden Zuflüssen von mehr oder minder salzigen Grubenwassern im Laufe des vorigen Jahrhunderts und ganz besonders noch in der neueren Zeit nicht auffallen kann. Wenn im Jahre 1730 in dem „Versuch zur Naturhistorie der Grafschaft Mansfeld“ (abgedruckt in Grundig´s „Neuen Versuchen nützlicher Sammlungen zu der Natur- und Kunstgeschichte, sonderlich von Obersachsen. Bd. 1, S. 852) gesagt wird, dass nach Hofrat Hofmann der Salzgehalt auf „2 Maß Wasser allezeit 2 Quentchen Salz“ zu rechnen seien, was nach damaligem sächsischen Maß einem Salzgehalte von 0,24% entsprechen würde; wenn ferner Dreyhaupt in seiner „Diplomatisch-historischen Beschreibung des Saalkreises, Halle 1749, Bd. 1 S. 624“ den Gehalt des salzigen Sees dem der Ostsee gleich schätzt, so bleibt es doch zweifelhaft, ob diese Angaben auf wirklich zuverlässigen Analysen beruhen. Über den Normalgehalt, d. h. über den Salzgehalt, den die Seen durch ihre unmittelbaren natürlichen Soolquellen beziehen, wissen wir daher nichts genaues. In neuerer Zeit erst hat der Verein für Erdkunde zu Halle a. S. Veranlassung gegeben zur Anstellung genauer Analysen, welche von W. Ule ausgeführt und in dessen Inaugural-Dissertation zu Halle a. S. im Jahre 1888 veröffentlicht worden sind. Die obigen Hinweise sind aus dieser Schrift entnommen, welche außer dem aus der neueren Zeit (1840-46) noch die Angaben von Pierers Universallexikon anführt, wonach das Seewasser 1/256 oder 0,39% reines Küchensalz enthalten soll, wobei jedoch auch von einer Analyse nicht die Rede ist.
Die obigen Analysen haben nun folgendes ergeben:
Der salzige See enthält bei Oberröblingen in 100000 Teilen Wasser 75,424 Chlornatrium und 8,712 Chlorkalium, und der Bindersee 74,514 Chlornatrium und 6,142 Chlorkalium, außerdem Schwefelsaure Salze von Kali, Magnesia und Kalkerde, kohlensaure und salpetersaure Kalkerde und freie Kohlensäure. Die Soole des oben zuerst genannten alten Brunnens auf dem Schulenburgschen Grundstücke würde demnach bei dem eu 1 Pfd. Salz in 1 Cubf. Seewasser geschätzten Gehalte, der etwa einem Prozentgehalt von 1,489 entsprechen würde, erheblich salziger gewesen sein als das Seewasser. Dasselbe gilt von dem in neuerer Zeit aufgefundenen alten Brunnen am Sülzenberge.
Bei dem süßen See zeigte sich nach den obigen Analysen zur Zeit ein viel höherer Salzgehalt, nämlich in 100000 Teilen Seewasser 175,006 Chlornatrium, also mehr als das doppelte und 54,760 Chlorkalium, also mehr als das 6fache des salzigen Sees. Dies hat seinen Grund in dem Zufluss von besonders stark salzigen Grubenwassern, welche seit etwa 10 Jahren von dem Schafbreiter Bergreviere bei Wimmelburg , teils von dem Segen-Gottesschachte, teils von dem Ottoschachte dem See in erheblichen Mengen zugingen, die ersteren bis in die „böse Sieben“ zu Tage gehoben, die letzteren mit einem Salzgehalt von 17 bis 23% dem Froschmühlenstollen zu gehoben. Diese Zuflüsse haben nun allerdings in neuerer Zeit dem Umfange nach sich vermindert, da die durchgebrochenen Wasser des Schlottenwoges auf dem Ottoschacht i.J. 1886 gesümpft wurden und der unter dem Froschmühlenstollen 33½ Meter tiefer angesetzte Mansfeld´sche Schlüsselstollen am 29. Mai 1897 mit dem Schafbreiter Reviere durchschlägig geworden ist. Dieser Stollen hat nun die Tiefbauwasser, darunter auch die des Segen-Gottesschachtes übernommen, so dass von diesen Wassern durch den Froschmühlen-stollen dem süßen See keine mehr zugehen. Es wird daher der hohe Salzgehalt dieses Sees wieder nachlassen und auf seinen früheren Stand zurückkehren, insoweit nicht die geringeren dem letzteren Stollen zugehenden Salzwasser der Bärlochsohle und etwaiger anderer aus den alten Bauen über dem Stollen entspringenden einen Einfluss üben möchten, der indessen nicht bedeutend sein kann.
Ähnlich verhält es sich mit dem salzigen See, in welchen der außer Betrieb gesetzte Erdeborner Stollen mündet, dessen Wasser, von denen ein Teil heute auf der Zuckerfabrik bei Erdeborn oberhalb des Mundloches betriebliche Verwendung findet, nur sehr gering gesalzen sind und deren Salzgehalt wahrscheinlich nur allein ebenfalls von der Bärlochsohle stammt, wo der Stollen, mit 12,5 Meter größerer Seigerteufe unterhalb Erdeborn angesetzt, nur mit 5,2 Meter unterhalb des Froschmühlenstollens einkommt und mit diesem auf dem Kupferschieferflöze durchschlägig gemacht ist.
Lassen wir die salzigen Zuflüsse, welche den Mansfelder Seen in den Mansfelder Stollenwassern zugehen, ganz außer Acht , so bleibt es dennoch richtig, dass der Salzgehalt der Seen durch besondere natürliche Quellen in der unmittelbaren Nähe seine Nahrung erhält. Dass derselbe nur schwach ist, würde kein Grund sein, das Steinsalz erst in großer Tiefe zu suchen, da es den Seen auch an süßen Wasserquellen nicht fehlen wird und verschiedene Wasserbäche über Tage beiden Seebecken zugehen., welche den Salzgehalt wieder herabsetzen, außerdem aber die mehrfach beim Mansfelder Bergbau in nicht zu großer Tiefe gemachten Aufschlüsse von Salzquellen und Steinsalz genugsame Hinweise geben.
Sollte die vielfach ausgesprochene Annahme zutreffen, dass die Einsenkung des Bettes beider Seen die Folge des Bruches von ehemals mit Steinsalz ausgefüllt gewesenen Gipsschlottem sind, wie solche in langen aneinander hängenden Zügen durch den Mansfelder Bergbau wiederholt aufgeschlossen wurden, wie bei Wimmelburg, Kreisfeld, Helbra, Welbisholz, in den Sangerhäuser Revieren, so würde auch hieraus auf eine größere Nähe des Steinsalzes zu schließen sein. Wenn gleich die Betten beider Seen sehr gleichmäßig flach bis zu höchstens 8,4 Meter Tiefe sich einsenkende Niederungen sind, so finden sich doch im salzigen See mehrere Punkte, welche trichterförmige steile Einsenkungen zeigen; so das „Heller Loch“ in der Richtungslinie von Oberröblingen nach Seeburg mit einer Tiefe von 17,25 Meter; ferner die sogenannte „Teufe“ nordwestlich von Oberröblingen, nahe am Ufer mit 18 Meter; ferner die beiden Einsenkungen am Bindersee von 10 Meter an der Landzunge, genannt die Teufelsbrücke, und von 11,5 Meter Tiefe unweit Rollsdorf. Ein anderer, einem Erfall gleichender Einbruch an der Erdoberfläche von geringeren Abmessungen zeigt sich auf der Teufelsbrücke und führt den Namen des „Teufelsloches“. Derselbe erinnert an die ähnlichen Erdfälle, wie sie so häufig in der Nähe der Zechsteinformation und des Buntsandsteines in der Grafschaft Mansfeld in der Nähe der oben bezeichneten Schlottenzüge, ferner bei Erdeborn, im Bockstale zwischen Thondorf und Burgörner, zwischen Zabenstedt und Lochwitz (die Seelöcher), bei Fiedeburg, bei Schochwitz, in den Sangerhäuser Revieren, am ganzen südlichen Harzrande zum Teil in weit größeren Abmessungen und in der neuesten Zeit, im Jahre 1883, erst noch unweit Eisleben, zwischen dem Ottoschachte und der Krughütte vorgekommen sind. Einige derselben führen Salzwasser, deren Gehalt aber immer mehr abgenommen hat. Schon im Jahre 1823 hatte der verstorbene Oberberghauptmann von Veltheim und später im Jahre 1838 der Geheime Oberbergrat Karsten damit übereinstimmend die Meinung ausgesprochen, dass die Gegend an den Mansfelder Seen sehr wohl Hoffnung gebe auf das Vorkommen von Steinsalz, und es wird unter mehreren Punkten auch Zscherben bezeichnet, wo ja auch, wie oben bemerkt, die Pfännerschaft zu Halle a. S. einen Steinsalzfund gemacht hat und darauf bergrechtlich beliehen worden ist.

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